Gedanken zum 17.Sonntag im Jahreskreis – A am 26.7.2020

Und wieder haben wir im Evangelium gerade ein Gleichnis gehört, so wie an den letzten Sonntagen auch. Sie erinnern sich vielleicht, da war das Gleichnis vom Sämann vor zwei Wochen und die Gleichnisse vom Unkraut und vom Senfkorn letzte Woche. Und heute das Gleichnis vom Schatz und das Gleichnis von der Perle.

Aber, wenn man sich das gesamte 13. Kapitel im Markusevangelium, aus dem all diese Gleichnisse stammen, durchliest, dann merkt man einen wichtigen Schritt dazwischen. Die Gleichnisse, die wir die letzten beiden Sonntage gehört haben, hat Jesus vielen Menschen erzählt – es ist im Evangelium von einer großen Menschenmenge die Rede, so dass sich Jesus in ein Boot setzte und vom Boot aus zu den vielen Menschen am Ufer redete, damit ihn alle sehen und hören können. Die Gleichnisse, die wir heute gerade gehört haben, die erzählt Jesus aber nur mehr dem allerengsten Kreis, nämlich seinen Jüngern. Im Evangelium heißt es „Jesus verließ die Menge und ging nach Hause und die Jünger kamen zu ihm.“

Ein wenig taucht da bei mir das Bild auf, dass sie sicher auch kennen und schon erlebt haben. Eine Feier, oder ein Fest oder sonst ein Ereignis, viele Menschen sind da und gegen Ende bleibt nur mehr der harte Kern der Gesellschaft über. Und oft ist es doch so, dass dann im kleinen Kreis die Gespräche nochmals intensiver und wesentlicher werden und es ganz besonders nett wird. So ähnlich könnte es damals auch mit Jesus gewesen sein, als die große Menschenmenge gegangen ist und Jesus sich nur mehr mit seinen Jüngern zusammengesetzt hat und quasi gesagt hat, „kommt‘s noch einen Sprung zu mir – in Wien würde man vielleicht sagen „komm, setzen wir uns noch auf ein „Flucht-Achterl“ zusammen – jetzt wo wir in kleinem, vertrauten Rahmen unter uns sind, möchte ich euch noch etwas sagen“.

Und dann erzählt er ihnen vom Schatz und von der Perle. Wir können also davon ausgehen, dass diese beiden Gleichnisse nochmals eine besondere Bedeutung haben. Was will Jesus mit dem Schatz und der Perle sagen? Welche wichtige Botschaft steckt da dahinter?

Ich lade Sie ein, sich vorzustellen, dass Sie unter diesem harten Kern der Jüngerinnen und Jünger sind und Jesus zu Ihnen sagt, „komm, setz dich noch auf einen Sprung zu mir, ich möchte Dir noch etwas Wichtiges erzählen.“ Und dann sitzen sie so im kleinen Kreis und Jesus beginnt zu sprechen und sagt: „Jetzt sag ich dir was; der Himmel wird für dich dann erfahrbar sein, wenn Du eine Riesenfreude in Dir spürst, dass Du gerade den tollsten und schönsten Schatz entdeckt hast, den Du Dir überhaupt vorstellen kannst.“

Du schaust Jesus vielleicht ein wenig unsicher und fragend an. Schatz? Der tollste und schönste Schatz? Jesus merkt deinen fragenden Blick, deine Unsicherheit und hilft Dir und sagt „Der tollste und schönste Schatz, den Du dir vorstellen kannst, das bist Du selbst. Du bist ein Ebenbild Gottes, was kann es da tolleres oder schöneres geben? Wenn Du diesen Schatz, der bereits in Dir drinnen und in dir vergraben ist, entdeckst und lebst, dann wirst Du so eine Riesenfreude in Dir spüren, und Du wirst merken, dass Du diesen Schatz um keinen Preis in der Welt wieder hergeben willst. Schau einmal auf dein bisheriges Leben, immer dann, wenn Du eine wirkliche, eine tiefe innere Freude in Dir gespürt hast, warst Du diesem Schatz schon sehr nahe und konntest Du ihn fassen und begreifen.“

Und dann verlässt Du dieses Treffen mit Jesus wieder, geht’s ein paar Schritte und lässt das nachklingen, was Dir Jesus gerade gesagt hat. Und Dir ist auf einmal sonnenklar, dass mit den Gleichnissen vom Schatz und der Perle gemeint ist, mich selbst auf den Weg zu machen, der Mensch zu werden, als den mich Gott gedacht hat, der Mensch zu werden, als den Gott mich geschaffen hat. Wenn ich der Mensch bin, als den mich Gott berufen hat, dann wird in mir eine übergroße Freude auftauchen, eine Freude, die auch trägt und andauert.

Und jetzt wird dir auch klar, warum Jesus diese wichtige Botschaft nur im ganz kleinen Kreis seiner engsten Vertrauten gesagt hat. Denn diese Botschaft ist ganz besonders an diejenigen gerichtet, die Gott vertrauen, die sich von ihm führen lassen. Und mit einem großen Strahlen im Gesicht, im Bewusstsein, dass Du auf einem guten Weg bist, diesen Schatz immer besser kennenzulernen und zu entdecken, ziehst Du weiter J

So, jetzt hole ich Sie aber wieder zurück aus diesem schönen Treffen im kleinen Rahmen mit Jesus – ja ich weiß, das ist jetzt vielleicht grad ein bisserl brutal …

Unser Leben hier in dieser Welt ist ein Weg der Schatz-Entdeckung. Was uns auf diesem Weg helfen kann, sind drei Dinge:

  • Vertrauen: Vertrauen auf Gott, dass er mich bedingungslos liebt und bedingungslos führt und leitet, und dass er für mich ein Leben in Fülle will, dass dann Wirklichkeit wird und spürbar wird, wenn ich der Mensch bin, der ich sein kann.
  • Mut: Mut vor allem sich nicht mit kleineren Schätzen am Wegrand quasi abspeisen zu lassen und so den Weg zum eigentlichen Schatz aus den Blick zu verlieren
  • Freude: Momente tiefer innerer Freude und Erfüllung genießen und auskosten, diese Momente der Freude aber auch als Wegweiser und Hinweis dafür nehmen, was es ist, das diese Freude ausgelöst hat, denn das sind ganz wichtige Hinweise auf den Schatz.

In der Lesung haben wir die Worte von Paulus gehört: “Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben und ihm vertrauen, alles zum Guten führt.” Eine stärkere und tragendere Zusage kann ich mir eigentlich gar nicht vorstellen. AMEN

(c) Alexander Kaiser